Am 31. März hat der russische Präsident Wladimir Putin ein neues außenpolitisches Konzept verabschiedet. Es kann durchaus als Schlussakkord jener Veränderungen im geopolitischen und zivilisatorischen Bewusstsein der russischen Macht angesehen werden, die vor 23 Jahren mit Putins Amtsantritt begannen. Nur jetzt, in dieser Version, nimmt Russlands außenpolitische Doktrin ein deutlich kontrastierendes und eindeutiges Aussehen an. Diesmal ist sie frei von Zweideutigkeiten und Doppeldeutigkeiten.
Es handelt sich um ein vollwertiges, offenes Aktionsprogramm einer souveränen kontinentalen Großmacht, die ihre Vision von der kommenden Weltordnung, ihren Parametern und Grundlagen erklärt und gleichzeitig den eisernen Willen zum Ausdruck bringt, eine solche Architektur zu errichten, ungeachtet der Konfrontation mit denjenigen, die versuchen würden, dies rigide zu verhindern und Russland einen externen Plan aufzuzwingen, bis hin zu einem präventiven Atomschlag.
Das Rückgrat einer vollwertigen strategischen Souveränität
Das Konzept führt alle grundlegenden Begriffe ein und verwendet sie, die mit der multipolaren Welttheorie und der eurasischen Interpretation des zivilisatorischen Wesens Russlands übereinstimmen. Damit wurde der Sieg der Befürworter des souveränen Weges der historischen Existenz Russlands endlich in einem grundlegenden strategischen Programmdokument verankert. Eine solch umfassende und ungewöhnliche Klarheit und Konsistenz in den Formulierungen und Definitionen ist sicherlich das Ergebnis des Krieges mit dem kollektiven Westen, der eine direkte und heftige Form angenommen hat, bei der die Existenz Russlands auf dem Spiel steht. Und einen solchen Krieg ohne klare Prinzipien, Regeln und Haltungen zu führen und gar zu gewinnen, ist einfach unmöglich.
