Die Verschuldung der Entwicklungsländer hat ein “krisenhaftes” Ausmaß erreicht, wie die Weltbank gerade erklärt hat. Ein Artikel der New York Times vom 16. Dezember mit der Überschrift “The Debt Problem is Enormous, and the System for Fixing It is Broken” stützt diese Ansicht.
Der Artikel führt weiter aus: “Die grundlegende Ideologie – später bekannt als der ‘Washington Consensus’ – besagte, dass Wohlstand von ungehindertem Handel, Deregulierung und dem Vorrang privater Investitionen abhängt. Fast 80 Jahre später ist die globale Finanzarchitektur veraltet, dysfunktional und ungerecht.
In der Tat ist die Welt überschwemmt von Staatsschulden, angeführt von den USA, Japan und China, die zusammen etwa die Hälfte der Gesamtverschuldung ausmachen. Aber Großmächte haben viele Möglichkeiten, mit ihrer Verschuldung umzugehen. Kleine, wirtschaftlich schwache Länder haben diese nicht.
Was in dem Bericht der Times zwar angedeutet, aber nie direkt angesprochen wird, ist die geballte Macht des Washingtoner Konsenses. Er spiegelt die wirtschaftliche Vorherrschaft der USA und Europas wider – nicht nur ein Konsens der Führungen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), in denen die USA schon immer ein alleiniges Vetorecht hatten, sondern auch des US-Finanzministeriums und des globalen Netzwerks der Finanzzentren, das sich von New York und Chicago bis Frankfurt und Zürich erstreckt.
Vorherrschaft bedeutet die Fähigkeit, die Bedingungen für Kredite zu diktieren. Über viele Jahre hinweg zielten die Entscheidungen der Weltbank und des IWF darauf ab, die Vergabe von Krediten an arme Länder und Länder mit mittlerem Einkommen von deren Offenheit für Privatinvestitionen, Freihandel und die Deregulierung staatlicher Einrichtungen – Straßen, Eisenbahnen, Banken, Schlüsselindustrien – abhängig zu machen.
Offenheit bedeutet, dass westliches Kapital in die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer eindringen kann, was häufig zu einer Aushöhlung oder gar Beseitigung der lokalen privaten und staatlichen Unternehmen führt.